Hier erlaube ich mir, ein komplettes Zitat von der Homepage des Frankfurter Zoos einzufügen.
(Diese ist so "ver-frame-t", dass ich keinen direkten Link ausbringen konnte.) Es geht um das
Schicksal von Toto, dem Schimpansen in "Einzelhaft".
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Zum Frankfurter Zoo". |
"Tierliebe bedeutet, Eigenarten und Bedürfnisse der Tiere zu berücksichtigen - und den
Verzicht auf Befriedigung unserer eigenen Wünsche, die meist auf viel körperliche Berührung
abzielen."Prof. Dr. Heini HedigerTierpsychologe und Zoodirektor
Der Zoo Frankfurt hält fast 5.000 Tiere in über 500 Arten auf der geringen Fläche von 11 Hektar
und hat damit die höchste Tierdichte aller deutschsprachigen Zoos.
Der Interims-Zooleiter Dr. C. Scherpner (1992-1994) hat deshalb in kluger Voraussicht entschieden, auf die Haltung
von Schimpansen zu verzichten.
Der 99 Hektar große Bronx Zoo in New York (Wildlife Conservation Society) ist noch wesentlich weitergegangen
und gab die Haltung aller Menschenaffen außer den Gorillas auf.
1994 blieben nur das 1956 geborene Wildfang-Männchen TOTO, das via Tierpark Berlin nach Frankfurt kam und
seine 1963 geborene Partnerin KILO. Dr. Scherpners Plan war, KILO nach dem Tod von TOTO in einem anderen Zoo zu platzieren.
1999 verstarb jedoch völlig unerwartet KILO an Herzversagen, und seither sucht der Zoo, das heißt der derzeit
verantwortliche Reviertierpfleger Carsten Knott, Obertierpfleger Reinhard Joppe, Veterinär Bert Geyer, Stellvertretender
Direktor Rudolf Wicker und Zoodirektor Dr. Christian R. Schmidt, eine Schimpansen-gerechte Lösung für TOTO.
Wer Schimpansen kennt, weiß, dass es sich um eine äußerst soziale Tierart handelt - worauf auch der Spruch
vom holländischen Schimpansenforscher Prof. Adrian Kortlandt abzielt: "Ein Schimpanse ist kein Schimpanse".
Der wenig strukturierte, unnatürliche und veraltete Frankfurter Innenkäfig ist mit 9 m² weit unter der deutschen
Minimalgehege-Empfehlung von 25 m². Eine Zuführung einer neuen Partnerin kommt deshalb nicht in Frage.
Der Versuch, TOTO in Form eines Kaninchens wenigstens einen Spielkumpan zuzuführen, musste abgebrochen werden,
nachdem TOTO ihm ein Ohr ausgerissen hatte. Die Betreuer wenden TOTO viel Aufmerksamkeit zu, können aber nie die unbedingt
erforderlichen Artgenossen ersetzen.
Die Haltungsrichtlinie fordert: "Einzelhaltung von Menschenaffen ist nur in begründeten Ausnahmefällen
(zeitweise bei Krankheit oder Unverträglichkeit) zulässig".
Tierpfleger Knott sah im täglichen Kontakt, wie TOTO mehr und mehr kümmerte in der unnatürlichen Einsamkeit
und schlug einen Transfer in einen britischen Schimpansenpark vor. Das oben genannte Entscheidungsgremium stimmte dem Vorschlag
einstimmig zu, holte aber auch die Meinung externer Fachleute ein. Die Spezialisten Dr. Madeleine Martin, Hessische
Tierschutzbeauftragte, und Dr. Fritz Merl, Frankfurter Amtstierarzt, waren der Meinung, die Einzelhaltung von TOTO sei nicht vertretbar
und die Vorteile eines Transfers zu Artgenossen würden überwiegen.
Hierauf kontaktierten wir die weltberühmte Expertin Dr. Jane Goodall, die seit 1960 im tanzanischen Gombe National Park
Schimpansen beobachtet und seit etwa 15 Jahren sehr aktiv ist in Bezug auf den Schutz schlecht gehaltener Schimpansen
(zum Beispiel in kleinen Zookäfigen, Zirkussen, Labors oder gar Bars). Dr. Jane Goodall hat TOTO und seine
Lebensumstände persönlich kennen gelernt, als sie 1995 im Frankfurter Zoo einen vielbeachteten Vortrag hielt.
Die weltbeste Schimpansenkennerin war nicht nur der Überzeugung, dass die Einzelhaltung von TOTO in dem viel zu kleinen
Käfig grausam sei und er deshalb zu Artgenossen umziehen sollte, sondern setzte sich auch persönlich dafür ein,
im erwähnten britischen Schimpansenpark einen Platz für TOTO zu finden. Leider waren die Verhandlungen mit dem
britischen Park dennoch erfolglos.
Als nächstes vermittelte der Menschenaffenschützer Carl Ammann den Kontakt zu einer Schimpansenstation in
Afrika, die vor 18 Jahren von einem englischen Ehepaar gegründet wurde und heute 80 Schimpansen in einigen Kleinanlagen
und fünf Großgehegen mit natürlicher Vegetation und Flächen von 20.000 m², 28.000 m²,
56.000 m², 2.000.000 m² und 2.000.000 m² (2 km²) hält. Die Station gewann durch ihre ausgezeichnete
Arbeit prestigeträchtige Auszeichnungen wie den von Dr. Klaus Töpfer vergebenen "United Nation Environment Programme
(UNEP) Global 500 Roll of Honour for the Year 2000", "The Nedbank/Mail & Guardian Green Trust Award" und
"Audi Terra Nova Nomination".
Dr. Jane Goodall selbst schickte beschlagnahmte Schimpansen in diese außergewöhnliche Station, und unser
TOTO erhielt unter über 100 Kandidaten das Privileg, hier seinen Lebensabend zu verbringen in artgemäßer
Umgebung, mit Artgenossen und in fachkundiger Pflege tierliebender Europäer.
Der Zoo Frankfurt erklärte sich bereit, nicht nur die Transportkosten zu übernehmen, sondern auch die Haltungskosten
und sich am Bau eines neuen Geheges zu beteiligen. Alles war vorbereitet, dass TOTO in Begleitung seines Tierpflegers Carsten Knott
und des Veterinärs Bert Geyer - die die Eingewöhnung 14 Tage lang begleiten sollten - diesen Herbst in die
Schimpansenstation in Afrika übersiedeln und sich selber Freunde in einer der fünf Gruppen aussuchten sollte.
Noch während Zoodirektor Dr. Christian R. Schmidt in seinem Urlaub die von seinem Vorgänger Prof. Dr. Bernhard
Grzimek ausgewilderten Tiere im Rubondo National Park beobachtete und einmal mehr zu der 80-köpfigen Schimpansengruppe
im Mahale Mountain National Park stieg (um Ideen für Haltungsverbesserungen zu sammeln), publizierte eine Frankfurter Zeitung
einen Artikel über TOTO, der leider in vielen Punkten unrichtig, unsachlich und unfair war. Es war nie und nimmer erwogen worden,
TOTO auszuwildern.
Dies machte Prof. Dr. Bernhard Grzimek in den Jahre 1966 bis 1969 im Rubondo Island National Park/Tanzania, in dem er 17 zum
Teil recht betagte und im Zoo geborene Schimpansen ohne Freiland-Erfahrung auswilderte. Inzwischen ist diese Schimpansengruppe
auf 30 bis 50 Tiere angewachsen. Das einzige Problem war, dass die Schimpansen einen Menschen angriffen und schwer verletzten.
Die Planung der dringend notwendigen neuen Frankfurter Menschenaffenanlagen hat überhaupt keinen Einfluss auf TOTOs
Schicksal. Dem Zoo Frankfurt geht es in keiner Weise um das "Abschieben" eines alten Tieres, sondern um die Vermeidung einer
grausamen Einzelhaft eines sozialen Tieres, dem menschliche Streicheleinheiten niemals die Artgenossen ersetzen können.
Aus ethischen und tierschützerischen Gründen kann es nicht angehen, unsere egoistischen Wünsche höher
zu werten als die artgemäßen Bedürfnisse des Schimpansen - der Tiere überhaupt.
In der Zwischenzeit hat die Schimpansenstation in Afrika aufgrund der unsachlichen und emotionsgeladenen Zeitungskampagne
ihre Offerte zurückgezogen, TOTO eine Heimstatt zu bieten. Die völlig irrationalen Vorstellungen, TOTO privat bei
"wohlmeinenden Tierfreunden" als "Kinderkumpan" unterzubringen, zeugen von einer erschreckend naturfremden Verkennung der
Schimpansen: Diese großen, wehrhaften Menschenaffen sind keine verkleideten Clowns, wie Fernsehserien à la
"Unser Charlie" oder "Daktari" dem Publikum weismachen wollen. Schimpansen sind soziale Waldbewohner, die Menschen durchaus
gefährlich werden können, wie zum Beispiel ein schwerer Unfall mit dem entwichenen alten Schimpansen PETERMANN 1985
im Kölner Zoo beweist.
Der Verlierer ist leider TOTO. Er wird seinen Lebensabend allein in einem zu kleinen, veralteten Käfig verbringen
müssen. Menschliche Unvernunft hat dies bewirkt.
Wie schrieb doch eine Zoobesucherin aus Auckland/Neuseeland dieser Tage an die Zoodirektion:
"I enjoyed my visit except I think the enclosure for the big Apes (Menschenaffen) is too small and not natural. I would be happy
to pay double the entrance fee if some of that money were going towards making the Ape enclosure larger. The Apes looked so
sad, it broke my heart and make me feel like crying."
P.S.: In totaler Umkehr zur bisherigen Meinung schlägt die gleiche Zeitung nun "einen riesengroßen Safaripark
am schönen Lago Maggiore" als neue Heimat für TOTO vor. "Jeden Tag Sonne, hübsche Frauen"
(nach Ansicht des pensionierten Tierpflegers kann TOTO Frauen allerdings nicht leiden) und "fressen wie beim Italiener"
(Nudeln als "Schimpansen-gerechtes Futter"? im Gegensatz zu "Es ist völlig ungewiss, ob er in Afrika Futter findet").
Unsere Recherchen ergaben, dass es sich bei diesem Safaripark um eine fragwürdige kommerzielle Tierhaltung im
Disneyland-Stil eines Zirkusbesitzers handelt, der nicht Mitglied der Italienischen Zoo-Union ist, keine Schimpansen hält
und nicht einmal eine Haltungsbewilligung für Schimpansen hat. Zwei gute italienische Zoos, die wir angefragt haben,
würden "nie ein Tier in diesen Safaripark schicken". Aber "Millionen Deutsche würden TOTO beneiden" ist die Zeitung
überzeugt.
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