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Eine Reise in die Dominikanische Republik

29.1.2003 - der Flug
flugzeugUnser Charterflug mit Condor fliegt statt 9,5 Stunden 13. Denn Direktflug kann auch bedeuten, über Sta. Lucia in die Dominikanische Republik zu fliegen. Das Schlemmermenue an Bord ist interessant: das angebliche Truthahnfleisch ist zusammengeklebt und der Snack hat Apfelaroma. Buh.

Am Flughafen in Puerta Plata kommen wir erst abends an. M.'s Trick, die Taxifahrer von den 15 USD Touristenpreis nach Sosua herunterzuhandeln, funktioniert nicht. Hier ist Touristentaxi-Monopol. Also beißen wir in den sauren Apfel und zahlen.


Sosua eignet sich gut als Zielort, denn es liegt nah am Flughafen und man ist schnell in einem Hotel und kann sich von den Strapazen der Reise ausruhen. Im Norden des Landes kann man sich leichter akklimatisieren wenn man aus der Kälte kommt und das Städtchen hat alles an Infrastruktur zu bieten, was man in der Ankunftszeit benötigt.

Im Hotel Waterfront hat M. schon aus Deutschland telefonisch reserviert. Für 25 USD haben wir ein großes Zimmer mit Deckenventilator, Bad, Kühlschrank, großen Betten und Blick in die tropischen Gartenanlage. Wir stellen die Koffer ab und gehen gleich los um in einer der vielen Wechselstuben Geld zu wechseln - der Vergleich lohnt sich. Der Wechselkurs liegt heute bei 22,50 $RD für den USD und 23,00 $RD für den Euro.


An jeder Ecke im Stadtteil El Batey wird man von Geschäftstüchtigkeit umlagert. Taxifahrer hupen und rufen "Taxi", Motoconchofahrer hupen, winken und rufen "concho". Vermutlich halten sie die Touristen für zu blöde, um zu erkennen, dass es sich um Taxis bzw. Moped-Taxis handelt. Manche fahren einem auch bis knapp vor die Füße um dort scharf zu bremsen und einladend auf die Sitze zu zeigen. Andere Leute springen einem auf dem Bürgersteig in den Weg um in ihren Souvenirladen zu deuten, oder die Speisekarte des Restaurantes hinzuhalten oder rufen einfach "change, dollares ", . Geniale Verkaufstechnik.

Bemüht unbeeindruckt gehen wir durch den aufkommenden Regen und lassen uns dann von der Angebotstafel des Tages in das Restaurant "Gaviota" locken. Dort essen wir sehr leckeren Fisch (pescado entero) und Hähnchen (pollo con arroz). Danach können wir kaum noch die Augen offen halten und steuern deshalb unser Hotel an. Es ist jetzt 23.00 Uhr Ortszeit plus 6 Stunden gefühlte Zeit. In der Nacht geht ein heftiger Regen herunter.


30.1.2003
Um 6 Uhr morgens werden wir zum ersten Mal geweckt. Auf dem Nachbargrundstück ist eine Baustelle. Hier heben Haitianer mit Spitzhacke und Hammern ein Fundament aus während ihr dominikanischer Aufseher wichtig herumstolziert. Das dumpfe und rhytmische Hämmern schleicht sich durch unsere Träume und weckt uns endlich.

Über einen Trampelpfad direkt hinter dem vielgerühmten Restaurant Waterfront kann man sich in das "Casa Marina Beach Club" einschleichen. Touristen mit all-inclusive-Markierung liegen in der Anlage. Der Wächter schwätzt und beachtet uns nicht weiter. Der Strand hier ist ohne Schatten und von den Gästen des angrenzenden Hotels in Beschlag genommen.


Wir gehen wieder zurück auf die Straße und von dort an den großen Strand von Sosua. Dieser liegt in einer wunderschönen baumbestandenen Bucht und bietet zwei Spießrutenläufe: Entscheidet man sich, am Strand zu spazieren wird man von jedem angerufen, der hier einen Liegestuhl oder Sonnenschirm zur Vermietung anbietet. Enscheidet man sich, unter den Bäumen zu gehen, wechseln sich Souvenirläden mit kleinen Imbissbuden ab. Auch hier springen einem die Geschäftsleute in den Weg und deuten auf ihren Laden.

Nach der Hälfte des Weges sind wir erschöpft vom freundlichen Ablehnen und lassen uns von einem bildhübschen Dominikaner zu einem Kaffee überreden. Er führt uns zu seinen Monoblocks mit Blick auf das Meer nicht ohne seine Liegestühle anzupreisen. Dann beginnt er, alles von den Nachbarn auszuleihen: die Tassen, den Kaffee, Milch und Zucker. Wir beobachten das rege Treiben. Es ist noch früh, die Leute räumen den Schlamm weg, den der nächtliche Regen hinterlassen hat und bereiten ihre Buden vor. Unter den Bäumen ist es angenehm kühl und es macht Spaß, den Vorbereitungen auf den erhofften Touristenansturm zuzusehen. Geldwechsler und Zöpfchenflechterinnen bieten ihre Dienste an.


Nach einem Spaziergang durch Sosua und einem dominikanischen Mittagessen mit Reis, Bohnen und Fleisch, zieht es uns zu einer Siesta in unser Zimmer zurück. Die Zeit- und Klimaumstellung strengt noch an. Am Abend dann futtern wir wie bei Muttern ein Schnitzel. Denn das alles gibt es hier auch: deutsche Kneipen. M. erzählt von seinem letzten Zusammentreffen mit Aussteiger Erwin, während dieser umbemerkt hinter uns sitzt. Vor dem Schlafengehen liegen wir noch ein wenig am Hotelpool, trinken das einheimische Soberana-Bier und knabbern Taco-Chips aus der Tüte. Vor uns auf der Bank am Mäuerchen sitzt der Wachmann des Hotels. Dahinter tost das Meer an die Klippen. Schöne Gelegenheit, um zu philosophieren.


Übrigens. Bananen heißen hier weder platanos wie in Spanien noch bananas wie auf den Kanaren, sondern ganz einfach "guineos". Man glaube bitte nicht, daß man in der dominikanischen Republik spanisch spricht. Hier spricht man dominikanisch. Schlimmer als die Spezialausdrücke, die man schnell aufschnappt und lernt ist die Aussprache, hier hilft nur geduldiges hinhören.

Übrigens: wenn man hier von "cafe con leche spricht," meint man die ungleichen Paarungen zwischen reichen Bleichgesichtern und hoffnungsvollen Dominikanern. Wobei man immer öfter feststellen kann, dass Touristinnen gleichziehen.


31.1.2003
Heute steht ein Frühstück bei der deutschen Bäckerei Moser auf dem Plan. Sie liegt etwas außerhalb. Für 60 $RD gibt es einen bunten Brotkorb mit Butter, Marmelade, Kaffee, Saft, Käse, Wurst, saurer Gurke und Ei. Aus dem Gartenlokal hat man Blick auf Kühe und Kuhreiher.
Neben der Bäckerei sitzt eine Eule in der Voliere. Man füttert sie mit Fleischresten wie wir erfahren. Eine beliebte Theorie war auch: die wird nachts in der Bäckerei frei gelassen und dann muss sie die Mäuse fangen.

Nach dem Frühstück gehen wir zur Hauptstraße und warten auf einen guagua. Das sind die hiesigen Kleinbusse, die alles an Fahrgästen aufschlucken, was sich noch irgendwie dicht gedrängt unterbringen lässt. Wer aussteigen möchte, sagt dem Cobrador Bescheid, dieser klopft dann kurz an das Wagenblech zum Zeichen. Der Fahrpreis ist vergleichsweise gering, richtet sich nach der Strecke.

Als die hübsche Mitfahrerin auf M.s Frage hin den tatsächlichen Fahrpreis für die Strecke Sosua - Puerto-Plata, nämlich 10 $RD pro Person, verrät, zieht sie sich den Unmut des Cobradors zu, der trotzdem 15 $RD von uns verlangt. Gringo-Aufschlag.


Wir laufen zum Playa Long Beach, kaufen unterwegs noch eine leckere frische grüne Coco für 10 $RD und verbringen den Nachmittag im Schatten der Bäume am Strand. Ab und zu baden wir dann in dem seichten Wasser. Um uns herum sind einige Einheimische, die das Riff absuchen, oder Kinder, die einfach den Tag plantschend und spielend im Meer verbringen.


Ein leckeres Essen nehmen wir bei Nelly, der Schweizerin. Von ihrer Theke hat man den schönsten Blick auf den Strand. Sie ist wie viele andere Residentes aber auch schon dazu übergegangen, die Sommermonate in der Heimat zu verbringen um Geld zu verdienen. Es herrscht Flaute. Da hilft es auch wenig, dass die Kellnerin von den alten Gringos Avancen entgegennimmt.


Entlang dem Stadtstrand ziehen sich Müllberge. Kinder suchen nach verwertbarem. Ein Schuhputzerjunge versucht ins Geschäft zu kommen und begleitet uns für eine Weile auf seinem Mountainbike. Wir begegnen Henk, einem Niederländer, der hier verheiratet ist und uns zeigt, wo seine neue Wohnung ist. Wir gehen entlang holzhausgesäumter Altstadtstraßen zum placa central. Viele der Holzhäuser aus der viktorianischen Zeit wirken verlassen. Schmutz liegt auf den Fliesenmosaiken der Terrassen. Das Gewirr der Stromkabel überspannt netzartig die Stadt.


Der placa central sieht so aus, wie überall in lateinamerikanisch geprägten Städten. Der weiße Pavillon bildet den Mittelpunkt von gepflegten Blumenbeeten, Gehwegen und riesigen Bäumen. Mütter beobachten ihre herausgeputzten Kinder bei deren Spiel. Alte Männer sitzen auf Parkbänken und streiten miteinander. Schuhputzer warten auf Gelegenheiten und wir nehmen den nächsten Guagua zurück nach Sosua.


Dort landen wir auf der Suche nach einem Abendessen bei Amelio, der sein Hamburger-Restaurant auf Rädern direkt oben auf der Klippe, unweit unseres Hotels Waterfront hat. Wir nehmen lecker zubereitetes Kotelett (chuleta) bzw. Geflügelbrust (pechuga) mit gebackenen Bananen und dem unvermeidlichen Presidente-Bier. Allmählich gewöhne ich mich an dessen bitteren Geschmack. Wir haben einen schönen Platz hier unter den Bäumen und dem Sternenhimmel, auf der anderen Seite der Bucht blinken die Lichter von Puerto Plata. Die Brandung klingt von Zeit zu Zeit durch die Merengue-Musik aus Amelios Küchenwagen. Nur das Bezahlen wird ein Abenteuer, da Amelio gegangen ist, seine Frau nicht auf Zurufe reagiert und seine Tochter sich in ihrer weiblichen Schönheit geschmeichelt fühlt. Keine von beiden kommt auf die Idee, dass die Kundschaft einen Wunsch haben könnte. Dominikaner. Man muss sie lieb haben.


Beim abendlichen Spaziergang durch Sosuas downtown stellen wir fest, dass Freitags abends bereits um 22.30 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt sind. Nur noch in zwei der Anmach-Diskos sitzen die einsamen blonden Männer etwas verloren vor ihren Presidentes an den Theken, die Mädchen lächeln gelangweilt. Ja, es scheint so: Sosua hat seine besten Zeiten schon erlebt.


1.2.2003
Heute frühstücken wir in der Bistro-Bar Miami ein großes Frühstück un es ist seine 50 $RD mehr als wert. Auch der frischgepresste Orangen- und Maracuja-(chinola)saft ist lecker. Heute am Samstag morgen ist überraschend viel los in Sosua und ein nicht enden wollender Strom von Armbandtouristen schaut in unsere Teller und Kaffeetassen.


An der Hauptstraße nehmen wir heute einen Guagua nach Cabarete. Hier findet man etwas bessere Häuser und Autos und eine gepflegtere Infrastruktur. Tourismus pur. Der Stadtstrand ist von Restaurants gesäumt, auf Schritt und Tritt bekommt man einen Liegestuhl unter Palmen angeboten. Der Strand scheint endlos zu sein und der lange Marsch lohnt sich: die Wellen werden höher und die Gegend einsamer. Die Kinder, die eben noch zu sechst mit einem Surfbrett spielten werfen sich in Positur, als sie meinen Fotoapparat bemerken. Sie umringen uns und fragen nach Geld. M. verwickelt sie in ein langweiliges Gespräch wo sie wohnten und wann sie zur Schule gingen und wie es ihnen dort gefiele. Sie verlieren ihr Interesse.


Ein weiterer schöner Badetag. Hier erscheint alles weich. Die Luft die vom Meer herangeweht wird, der Sand, die Schaumbläschen des Meeressaumes, die die Füße umschmeicheln, wenn man hindurchwandert. Näher an Cabarete üben Kiter waghalsige Manöver und Sprünge. Sie ziehen die Blicke der wenigen Strandwanderer auf sich.


Nach einem Essen im Hexenkessel, der an der lauten Hauptstraße liegt, aber lecker deutsches Essen bietet, nehmen wir einen Guagua zurück nach Sosua. Ein Besuch im Internet-Cafe, die Stunde zu 40 $RD und ein Besuch im Cafe-Bistro Miami runden den Tag ab.


2.2.2003
Seit der Nacht fallen die stetigen Tropfen eines geduldigen Regens. Bei diesem Wetter könnte es keinen besseren Platz geben als unsere Loggia mit Blick auf den üppigen Garten des Hotels. Wir gehen meine Schwester anrufen und am Stadtstrand vorbei zur Haltestelle der Buslinie "caribe tours". Hier erfahren wir, dass die Busse nach Santo Domingo stündlich ab 7.30 Uhr fahren, Fahrdauer 4 Stunden, und der Bus nach Samana um 7.20 Uhr abfährt.


Wir vertrödeln den Tag. In einer Strandkneipe essen wir Fisch mit gebackenen Bananen und schauen dem Treiben zu. Haitianische Frauen tragen ihre Waren in Plastikschüsseln auf dem Kopf. Sie verkaufen Obst, Erdnüsse, Süssigkeiten oder Schuhe. Männer schieben ihr Gewerbe auf der Schubkarre vorbei: sie haben Orangen, Zuckerrohr oder Obst im Angebot. Es flanieren viele Touristen den Strand entlang, hier kann man Deutsche am Armband und Amerikaner am Outfit erkennen. Jeder wird von den Händlern angesprochen. Besonders heute am Sonntag, dem freien Tag der Dominikaner, ist das Regenwetter schlecht für den Umsatz. Es werden Plätze im Trockenen, Mahlzeiten und Getränke in den kleinen hölzernen Restaurants angeboten. Souvenirverkäufer locken mit Regenschirmen. Ein buntes, lebhaftes Menschengewimmel. Wir verlassen es um der aufkommenden Mittagsmüdigkeit nachzugeben. Es regnet noch immer. Abends gehen wir zur Gaviota essen, doch dort kennt man uns inzwischen schon so gut, dass man versucht, uns um das Wechselgeld zu beschummeln.


3.2.2003
Heute packen wir die Koffer und frühstücken im Cafe-Bistro Miami. Als wir auf dem Weg dorthin am Supermarkt vorbei kommen, bitte ich M., mal kurz meine Sachen zu nehmen, damit ich schnell ein Brot kaufen kann.

Haha. Schnell in der dominikanischen Republik. Ich nehme also die letzten zwei Sandwichbrote aus dem Regal mit der Aufschrift 12 $RD und gehe an die Kasse. Dort fragt die Kassierein den gelangweilt herumstehenden Verkäufer, was das Brot kostet. Er geht zum Regal um dort nachzuschauen, findet es leer und ist deshalb ratlos.
Ich zeige ihm, wo das Brot vorher lag und er ruft "24" und erklärt der Kassiererin wichtig, wo welches Brot zu liegen hat. Danach geht es trotzdem nicht schneller, weil wir auf den Boten mit dem Wechselgeld warten müssen. Als der endlich kommt, erhalten die drei Leute vor mir recht schnell ihr Wechselgeld. Bei mir dauert es etwas länger. Die Kassiererin legt sich Scheine und Münzen mehrmals zurecht, sieht mich an, überlegt, zählt nochmals und gibt endlich 5 $RD zu wenig heraus.
Ich schaue sie ein bißchen geduldig an und erhalte den Rest des Geldes dann doch noch. Inzwischen fragt sich M. draußen, wieso es so lange dauert, Brot zu kaufen.


Mit dem Taxi fahren wir zur Bushaltestelle der caribe-tours. Die Fahrt nach Santo Domingo kostet 120 $RD pro Person und dauert etwa 4 Stunden. Die Busse fahren pünklich ab. Die Strecke über Santiago und La Vega führt uns vorbei an Gebirgszügen, Zuckerrohr-, Zitrusfrucht- und Reisanbauflächen . Vorbei an luxuriösen Golfplätzen und Dörfern ohne asphaltierte Wege und mit kleinen Holz- und Wellblechhäuschen. Nackte Kinder spielen dort auf den Wegen. Am Straßenrand werden die verschiedensten Produkte angeboten. Wurzeln, Kokosnüsse, Papayas, Guineos, Ananas, Geflügel, Schweine. Ein Metzger hat einen abgeschlagenen Schweinekopf am Holzgestell seines Verkaufsstandes befestigt, darunter, auf einem Tisch zerteilt er das Fleisch. Unser Weg führt auch durch Städte. Santiago ist nicht die Hauptstadt, aber die reichste des Landes. Die Kontraste sind groß, die Fahrt alleine schon eine Reise wert.


Die Bushaltestelle der Caribe Tours in Santo Domingo liegt außerhalb uns ist modern und neu.
Der Taxifahrer, von M. angesprochen, verspricht, uns für 50 RD zum Hotel Seniorial zu bringen. Dort hat M. am Vortag telefonisch 1 Zimmer reserviert. Kaum eingestiegen, stellt sich heraus, dass der Taxi-Fahrer das Hotel nicht kennt, die Adresse nicht kennt, weder den hingehaltenen Stadtplan aus dem Reiseführer noch überhaupt lesen kann. Er versucht verzweifelt die Zentrale anzufunken und als diese nicht antwortet, fragt er einen Passanten nach dem Weg. Als er die Auskunft erhält, in der Nähe des Malecons und des Obelisken, versucht er wieder den Fahrpreis zu verhandeln, aber M. bedeutet ihm, der bereits festgelegte Fahrpreis sei " mas que normal " und mit entschlossenem Blick " entonces regressamos ". Also fährt uns das Taxi und es ist tatsächlich nicht weit und auch leicht verdientes Geld.


Unser Zimmer ähnelt einer Abstellkammer unter der Treppe, aber es ist tatsächlich ruhig und zweckmäßig eingerichtet. Die Fernbedienung für den Kabel-TV, die an der Reception in unserem Fach liegt, erhalten wir erst auf Nachfrage. Nach etlichen vergeblichen und schweißtreibenden Versuchen mit der Klimaanlage erhalten wir auf Anfrage die Fernbedienung auch hierfür aus unserem Fach bei der Reception. Mißtrauisch schielen wir, ob in dem Fach noch mehr liegt. Ach ja, die Dominikaner, man muß sie lieb haben und geduldig sein. "no hay problema" muss ein Mitteleuropäer eben erst noch lernen.


Wir verstauen unser Gepäck und laufen los, am Malecon entlang, der entlang einer vierspurigen, lärmenden Hauptverkehrsstraße liegt. Einen Stadtstrand gibt es hier nicht sondern Klippen. Die Städter gehen zum Baden nach Boca Chica, wie man hört. Von hier aus hat man Blick auf die Obelisken und das Heldendenkmal.


Wir gehen weiter in Richtung Altstadtkern. Die Leute leben in ihren Häusern im spanischen Stil quasi auf der Straße. In den Erdgeschosswohnungen gibt die offene Tür den Blick in die möglichst repräsentativ eingerichteten Wohnzimmer frei. Man kann den Leuten zusehen, manche sitzen mit Monoblocks direkt auf dem Gehweg und schwätzen mit den Nachbarn.


Manchmal findet sich eine kleine Werkstatt, eine Schneiderei oder vielleicht eine Polsterwerkstatt, in den Eckhäusern sind meist die kleinen " Colmados ", also Lebensmittelläden oder Eckkneipen.


Wir kommen zur El Conde, der Einkaufs- und Flaniermeile von Santo Domingo und kaufen erst mal eine Kokosnuss gegen den Durst.


An einem Ende der Conde ist ein Stück Stadtmauer mit Wachturm erhalten, dem Conde eben. Dahinter der Plaza del Independencia, der Unabhängigkeitsplatz, mit dem "Nullpunkt" von dem aus alle Entfernungen der Insel berechnet werden.


Die Krönung bildet das Heldendenkmal, der Altar de la Patria, eine Ruhestätte für Duarte, Sanchez und Mella. Soldaten bewachen das Gebäude.


Das andere Ende der Conde führt zum Fluss Ozama. Hier hat man Blick auf den modernen Hafen und das historische Fortaleza, es soll das älteste militärische Bauwerk Amerikas sein.


Der Parque de Colon ist von riesigen Ficus Benjamini Bäumen beschattet. In der Mitte befindet sich eine Kolumbus-Statue, die Tauben nehmen bevorzugt auf dem ausgestreckten Zeigefinger des Herrn Platz. Hier wird man als Tourist sofort angesprochen, bekommt Taxis, Reiseführer oder einen Besuch im Bernsteinmuseum angeboten. Hier schließt das koloniale Viertel der Stadt an. Man muss sich hüten vor selbsternannten Stadtführern, sie geben sich zunächst einen offiziellen Anschein um dann ihre armen Touristenopfer schamlos auszubeuten. Die besten Restaurants sind kaum gut genug, die Preisvorstellungen dieser Herren, die nur wenig Kenntnisse zu bieten haben, unverschämt. Wir lernen langsam die richtige Reaktionsweise: arrogante Ignoranz und schon ist gut.


Nach einer Mahlzeit auf der Conde kaufen wir noch Wasser in einem der Eckläden und Brot in der Panaderia Deli Colonial unweit des Plaza Independencia. Hier ist es schwer, etwas anderes als das einheimische Brot zu finden, und das ist etwa so wie Toastbrot oder Hamburgerbrötchen, nichts was wir essen möchten. Bei der genannten Bäckerei aber gibt es Vielfalt.


4.2.2003
Am Morgen entdecken wir, dass in diesem Hotel ein Frühstücksbüffet im Preis inbegriffen ist. Schon hat sich das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend verbessert. M. erklärt der Managerin freundlich, dass uns das Hotel gefalle, das Zimmer auch tatsächlich sehr schön ruhig sei, aber doch etwas dunkel. Sie bietet uns den Umzug in ein besseres Zimmer an und ruft das Zimmermädchen "Morena". Wir sind schockiert.


Nach dem Zimmerwechsel gehen wir noch einmal zur Altstadt und sehen uns die Befestigungsanlage an. Es kostet einen geringen Eintritt von 20 $RD. Die Anlage ist sehr weitläufig. Hinter den Zinnen und verrosteten Kanonenresten hat man Blick auf den Fluss Ozama und den Hafen.


Heute ankert ein luxuriöser Kreuzfahrer. Wir erkunden den Turm, von dessen Spitze es einen guten Ausblick rundum gibt. Im Schatten der Bäume veranstalten wir in der Nähe der Politur - der Touristenpolizei - und ihren Pferden ein Picknick.


Danach wandern wir weiter durch die Stadt, zum Souvenir- und Kunsthandwerkermarkt " mercado modelo ". In der Markthalle drängt sich Stand an Stand und wir beginnen ein Spießrutenschlendern vorbei an den Verkäufern, die sich begierig auf uns stürzen, sind wir doch die einzigen potentiellen Kunden weit und breit. Es gibt ein kunterbuntes Sammelsurium an Bildern, Töpfereien, Puppen, Holzschnitzartikel und allerlei. Die kitschigen ledernen Schlüsselanhänger, von deren Sorte ich an der El Conde drei gekauft habe, gibt es hier zum 9fachen Preis.


Um die Markthallen herum werden Obst, Gemüse, und frisch geschlachtete Geflügel angeboten. Unter dem Tisch, auf dem geschlachtet wird, sind die Hühner und Enten untergebracht.


Wir spazieren zum Parque Enriquillo. Hier ist die Stadt schon weniger reich. Es fällt auf, dass trotz des scheinbar bunten Völkergemisches ein starkes soziales Gefälle zwischen den Hautfarben herrscht.


Auf dem Gehweg sitzen Kinder und spielen mit Puppen. Als sie den Fotoapparat sehen, springen sie auf, laufen uns nach und werfen sich fröhlich in Positur. Der größte und mutigste Junge folgt uns mit der Forderung "da me moneeee", während die anderen Kinder erwartungsvoll zurückbleiben. Wir aber sind böse Touristen und geben den Kindern kein Geld.


Wir gehen in großem Bogen wieder zur El Conde zurück und verbringen den Rest des Nachmittages in der Bar Las Flores und schauen dem regen Treiben zu. Am Abend laden wir unser Marschgepäck im Hotel ab und ziehen in Richtung Malecon noch einmal los.

Am Abend findet sich allerlei Volk an der Seeseite ein. Liebespärchen geben sich ein Stelldichein. Eine Holzbude an der anderen- tagsüber verschlossen- erwacht zu neuem Leben. Auf den kleinen Theken stapeln sich Schweinekeulen, Würstchen, Fladenbrote und bunte Berge aus geraspelten Gemüsen. Das gekühlte Presidente-Bier steht bereit. Die Silberkugeln einer Freiluftdisko drehen sich zur Musik und funkeln im Schein der Lichter. Aber wir sind noch zu früh, das Leben beginnt hier erst viel später.


Wir gehen zur Panaderia Deli und bestellen aus der warmen Theke Pulposalat, Bacalao in Gemüse-Tomatensauce, Medaillons aus der Hähnchenbrust, Yuca und Baguette. Es gibt noch Kochbananen, Leber in Sauce, Würstchen, Chicharrones und allerlei neue Leckereien. Die Preise sind nicht zu billig und die Kundschaft augenscheinlich besser situiert.

Am Abend berichtet das hiesige TV-Programm CDN (cadena de noticias) über Warnstreiks und Unruhen in verschiedenen Teilen des Landes. Die Preise steigen, vor allem die Benzinpreise, und der Peso sinkt gegenüber dem Dollar stetig. Überall im Land gibt es Streiks und Protestaktionen, es gab auch schon Schwerverletzte. Wir sind verunsichert. Können wir unter diesen Umständen noch reisen oder sollten wir schnellst möglich nach Puerto Plata, unserem Abflughafen, zurück?


5.2.2003
Beim Frühstück beruhigt uns die Hotelmanagerin, die Streiks wären schon wieder vorüber. Was heute jedoch neu ist, ist die Militärpräsenz in der Stadt. Offensichtlich soll schon der Anblick für Ruhe sorgen. Wir beschließen nach Palenque zu fahren und gehen zum Parque Independencia, um dort einen guagua zu fangen. Aber es kommt anders.

Ein Mann spricht uns an, wohin wir fahren wollen. Weil wir uns noch nicht klar sind, wo genau die Guaguas nach Palenque vorbeikommen, geben wir ihm Auskunft. Und schon haben wir einen Agenten. Er stürzt sich todesmutig zwischen den vorbeirollenden Verkehr und lässt sich von jedem Cobrador der vorbeifahrenden Guaguas ihre Fahrtziele zurufen. Eine hervorragende Vorstellung. Etwas verzagt schauen wir zu. Einen selbsternannten Agenten wollten wir nicht. Nach Palenque kommt auch kein Bus vorbei.

Als auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein klimatisierter Guagua nach Boca Chica anhält, entscheiden wir blitzschnell um und fahren nach Boca Chica. Hier hat jeder seinen eigenen Sitzplatz in diesem neuen Bus, und trotzdem müssen wir nur 20 RD$ zahlen. Auch die übrigen Mitreisenden sehen etwas reicher und besser gekleidet aus.


Nach etwa einer Stunde erreichen wir unser Ziel. Boca Chica ist die Badewanne der Hauptstadt. Es gibt hier einen weitläufigen Strand mit feinstem weißen Sand und eine flache, durch ein vorgelagertes Riff geschützte Badebucht. Malerisch wird der Strand von Kokospalmen gesäumt. Fregattvögel kreisen am blauen Himmel. Auch hier ist ein Restaurant und ein Liegestuhlverleih dicht am nächsten. Trotzdem findet sich ein ruhiges, schattiges Plätzchen. Wir legen uns an den Strand vor das französische All-inclusive-Hotel. Die Strände sind öffentlich und wenn man es nicht übertreibt darf man auch unter den gestrengen Augen der Wächter mal die sanitären Anlagen des Hotels aufsuchen.


Wir verbringen den Tag am Strand. Ab und zu regnet es ein wenig. Manchmal ziehen Wolken auf, aber für uns Bleichgesichter ist das ein ideales Klima. Frauen, die mir trensas, also Zöpfchen flechten wollen und Händler die Pareos, Süßigkeiten, Spielzeug, Pulpos und noch viel mehr im Angebot haben, versuchen mit den Touristen ein Geschäft zu machen und nähern sich freundlich. Wenn man nichts haben will, bleibt nur eins: kurz auf die Ware schauen und bestimmt ablehnen. Sowie man unsicher wirkt oder den Verkäufer zu freundlich anlächelt, fasst dieser das als Bereitschaft zum Verhandeln auf.

Übrigens haben wir aus dem TV-Sender CDN brauchbares gelernt: raubkopierte CDs kosten hier regulär 50 RD$ und es wird aus juristischen und vor allem aus Qualitätsgründen davor gewarnt, sie zu kaufen. Die billigsten CDs im Souvenirladen oder beim fliegenden Händler werden zu Anfangspreisen ab 400 RD$ angeboten.

Das Preisniveau ist für unsereiner wirklich unvorstellbar niedrig. In einer Sendung zur Geldentwertung hierzulande wurde berichtet, dass ein Geflügelhändler für ein bratfertiges halbes Hähnchen 18 RD$ erhält. Die 5 bis 10 RD$ die ein Schuhputzerjunge für seine Arbeit erhält oder zu erbetteln versucht bekommen eine ganz neue Dimension. Man bekommt ein neues Gefühl für den wahren Wert der paar Pesos, um die man als Tourist hier ständig betrogen wird. Ein riesiges Gefälle, von dem die meisten all-inclusive-Touristen wohl kaum etwas erahnen.


An diesem wunderschönen Nachmittag lassen wir uns in einer Strandbar nieder, essen das menu del dia mit Fisch bzw. Hähnchen, trinken köstliche jugos naturales - de limon und de melon - und genießen das Leben. Die Füße sind nur wenige Meter vom Wasser entfernt, über uns schattenspendende Palmen und von der Bar erklingt Merengue. Eine Schuhputzerbande treibt ihr Spiel mit den Touristen. Kaum haben die Jungs am Nachbartisch ihr von einem Touristen spendiertes Mahl beendet, der Teller noch halb voll, ziehen sie weiter, zu mir. Die Jungs schauen mit einem Hundeblick, reiben sich mit der Hand über den Bauch und betteln: " tengo hambre ". Angesäuert, weil sie diesemal nichts bekommen, ziehen sie weiter.


Abends scheint es, kommt der Strand wieder in einheimische Hände. Junge Leute flanieren und Sportler tauchen plötzlich auf, laufen an der Brandung entlang, spielen mit Bällen, machen Gymnastik. Doch immer wenn es am sch&oum;nsten ist, muss man gehen. Auf der Rückseite der Strandbars haben schwarze Frauen einfache Stände eröffnet und bieten gebackenen Fisch und fritierte Teigfladen an. Das nächste Mal, denken wir, bevor wir uns den Guagua zurück schnappen.



6.2.2003
Heute wollen wir es wissen und endlich nach Palenque fahren. Am Parque Enriquillo fragen wir uns bei den Guagua-Fahrern durch und einer, der ausweislich seiner Schilder nach San Christobal fährt, rät uns mit ihm zu fahren und umzusteigen. Das machen wir dann auch, noch nicht ahnend, dass El Capital solche Ausmaße hat. Alleine die Fahrt nach San Christobal dauert schon zwei Stunden.


Es ist überall das gleiche Bild. Je weiter man aus der Stadt kommt, um so schwärzer die Bevölkerung, um so ärmlicher die Behausungen. Meine primitive selbst gebaute Gartenhütte wäre hier wohl noch als Familienunterkunft zu gebrauchen.


Der Guagua hält in der Nähe des zentralen Platzes von San Christobal und wir steigen in einen wesentlich einfachereren Bus um. Mit Klappsitzen im Flur kann eine viersitzige Reihe hergestellt werden, in der dann fünf Personen mindestens sitzen müssen. Für die anderen Fahrgäste sind wir der Joke des Tages. Gut. Also befinden wir uns nicht mehr auf den üblichen Trampelpfaden des Tourismus. Die einstündige Busfahrt nach Palenque führt an fruchtbaren Feldern vorbei. Am Horizont erheben sich Berge, hier und da eine Palme. Auf den Feldern arbeiten Schwarze in der Mittagshitze. Hier wird alles erdenkliche angebaut, Zwiebel, Tomaten, Gurken und Kartoffel, um nur einige der Feldfrüchte zu nennen. Als wir uns Palenque nähern und nach der günstigsten Aussteigemölichkeit fragen, entbrandet unter den Mitfahren, die sich doch noch vor kurzem über uns lustig gemacht haben, ein Wettstreit. Wir werden an einer günstigen Stelle ausgesetzt.


Welch ein Glück, dass wir am Morgen noch nicht ahnten, dass die Fahrt so lange dauern würde, etwa drei Stunden, denn sonst hätten wir Palenque verpasst. Entlang einer schönen, geschwungenen Bucht mit feinem jedoch dunkler grauem Sand ziehen sich zwar auch hier die obligatorischen einfachen Strandrestaurants, aber es finden kaum Touristen den Weg hierher. Der Strand ist bis auf ein paar badende Kinder und Ausflügler, deren große Geländewagen hinten auf der Straße parken, leer. Der Strand scheint sich noch endlos auszudehnen, Laubbäume und Palmen wachsen fast bis in die Brandung hinein.


Das Wasser ist wunderbares Badewasser, flach und ruhig und ab und zu mal ein paar Wellen, auch größere, so dasss es nicht allzu langweilig wird.


Wir gehen in einer der Strandbars essen, der hiesige gegrillte Fisch, gebackene Bananenscheiben (tostados), pommes frites und eine leckere Sauce werden von der netten sommersprossigen Dame mit der Lockenwicklerfrisur serviert. Herrlich. Hier im Schatten wechseln wir nach dem Essen auf die Liegestühle, baden ab und zu selbst und schauen der Dorfjugend bei ihrem Badevergnügen zu.


Leider müssen wir wegen der langen Fahrt schon viel zu früh wieder los. Obwohl wir später in San Christobal einen Espresso-Guagua nach Santo Domingo nehmen, dauert die Fahrt immer noch fünf Viertelstunden.


Am Abend ziehen wir noch einmal los. Heute hat das Internet-Cafe auf der El Conde geöffnet und mit 30 RD$ pro Stunde ist es bisher das billigste. Trotz der späten Stunde finden wir Paco's Cafeteria noch geöffnet. Arroz con pollo und Säfte beschließen den Tag.


Ach ja, die papaya heißt hier so: Lechuga. Der USD hat schon 25 und Eur 27 RDS.


7.2.03
Heute fahren wir per Guagua wieder nach Boca Chica um einen weiteren Strandtag zu genießen.


Auf der Plaza Independencia geraten wir mal wieder in die Fänge eines Agenten, der uns einen leeren Bus anhält, damit der uns zur nächsten Bushaltestelle mitnehmen soll. Von dort fahren die Gauguas nach La Romana ab. Jetzt haben wir doch tatsälich den Fehler gemacht, uns den " Bummelbus " andrehen zu lassen. In Boca Chica angekommen hält der Guagua zudem noch weit mehr als die versprochenen "dos esquinas" vom Strand entfernt. Ein Fußmarsch wird nötig.


Aber endlich am Strand angelangt ist es so schön wie zuvor. Wir suchen uns wieder ein Schattenplätzchen unter einer Palme vor dem französischen All-inclusive-Hotel.


Gerade, als wir hungrig werden, bietet uns ein Junge an, einen Obstteller zu bringen. Als M. den Preis von 50 RD$ auf 40 RD$ herunterhandeln will, bittet der Junge darum, ihm seine Kommission zu lassen. Guter Trick. Aber tatsächlich bringt uns der Obst-Bauchladen-Strand-Händler-Agent einen gut gefüllten Teller mit wunderbar frischen und mundgerecht angerichteten Früchten. Wir erhalten Orangen, eine Ananas, Papaya (Lechuga), Mango, Netzmelone, Wassermelone, Bananen gekrönt mit einigen Scheiben frischer Kokosnuss. Köstlich.


Die Fregattvögel kreisen tief. Es ist wirklich eine Badewanne hier. Das Wasser ist flach, ruhig und warm. Wenn man will, kann man stundenlang auf dem Bauch im Wasser liegen und entspannen. Ich will. Nur ab und zu kommt eine Krabbe aus ihrer Wohnhöhle im seichten Wasser und zwickt in die Finger, die den Höhleneingang unverschämterweise noch immer versperren. Ein paradiesischer Platz zum Faulenzen.


Es wimmelt hier nicht nur von Strandhändlern, auch die Hunde haben eine besondere Mentalität. Sie nähern sich langsam, legen sich möglichst nahe an der Zielperson in den Schatten und schauen möglichst seelenvoll und geduldig den weißen Menschen an. Es könnte ja sein, dass dieser doch etwas für den Hund hat. Hat man nichts, trollt sich der Hund nach einiger Zeit wieder und belagert den nächsten Touristen.


Eine hübsche Begegnung haben wir mit zwei jungen Schuhputzern. Sie kommen zu unserem Badetuch und bieten an, die daneben stehenden Nubuksandalen zu reinigen. Wir lehnen ab. Daraufhin preisen die Jungs ihre professionelle Arbeitsweise und die niedrigen Preise an. Für nur 5 RD$ würden unsere Schuhe wieder wie neu. Aha. Jetzt wissen wir also einen Preis für das Schuheputzen. Trotzdem lehnen wir bedauernd ab. Schuhcreme auf Nubuk-Leder, nein danke. Das Papiertaschentuch, mit dem sich M. gerade die Brille putzen will, lenkt die Aufmerksamkeit des jüngeren auf sich. Er bittet auch um eines und fragt nach dem Verwendungszweck "por el nariz? $quot;. Als wir bejahren, putzt er sich kräftig und artig die vorher auch schon blitzsaubere Nase. Der &aumml;ltere möchte von M. wissen, warum er ein Loch im Bauch habe. M., peinlich berührt, spricht scherzhaft von einer Bombe. Die Jungs, besonders der kleine, sind fasziniert, doch dann verstehen sie: "Nasci asi!". Viel später am Abend treffen wir die Jungs wieder, sie balgen sich spielerisch im Sand. Als sie uns erkennen, werden wir freudig mit Handschlag begrüßt. Wir haben uns vom Touristen zum Menschen entwickelt.


Gegen Abend werden Licht und Stimmung am Strand immer angenehmer. Die "cafes" machen sich auf den Weg um am Strand "leche" einzusammeln. Wir gehen zur Straße, essen lecker chop suey in einem chinesischen Imbiss und suchen die Haltestelle für die guaguas. Unterdessen erwacht die Stadt, in Diskos und Bars wird das Licht angeknipst und mit "Bachata-girls" geworben.


Zurück in Santo Domingo holen wir uns in der Panaderia Deli Colonial noch etwas Pulpo und Yuca und gute Nacht.


8.2.2003
Nach dem Frühstück zahlen wir. Der verlangte Preis von 700 RD$ pro Nacht ist selbst mit schlechtem Wechselkurs von 23 RD$ und einem Preis von gesamt 153 USD noch billiger als vereinbart. M. umgeht die Touristen-Taxis vor der Tür und holt ein normales Taxi. Der Taxifahrer ist sehr nett und spricht speziell für uns despacito. Heute ist für ihn ein trauriger Tag, vor einem Jahr wurde sein Sohn Opfer eines Verkehrsunfalles. Der Junge war Lastwagenfahrer und wurde nur 27 Jahre alt. Wir betrachten uns Fotos. Für 60 RD$ bringt uns das Taxi zum Busbahnhof der Caribe Tours. Von dort geht es dann für 120 RD$ wieder zurück nach Sosua. Kaum angekommen, kommt uns das Städtchen fremd, laut, teuer und schäbig vor. Der Taxifahrer in Sosua fordert freche 50 RD$ für die kurze Strecke zum Hotel Waterfront. Kurzentschlossen laufen wir. M. zerrt den schweren Koffer über den Strand. Das wird zur Kraftprobe, die Räder bleiben immer wieder im Sand stecken.


Im Hotel Waterfront bekommen wir wieder ein Balkonzimmer, dieses Mal ein außenliegendes mit Blick über die weitreichende Gartenanlage. Nach einer Dusche stürzen wir uns ins Gewühl. "Taxi, Taxi" -Rufe und Motoconcho-Gehupe begleiten uns zum Restaurant la Gaviota, wo man uns tatsächlich um 17.00 Uhr noch das Mittagsmenu für 50 RD$ serviert: la bandera. Der Limonensaft kostet sogar nur 10 RD$. Aber mein kurz zuvor geäußerter Witz wird Wirklichkeit: kaum sitzen wir im sonst leeren Raum wird die Tafel umgeschrieben. Jetzt kostet das billigste Essen 85 RD$ und das teuerste 130 RD§.


Nach dem Essen genießen wir am Strand die letzte Dämmerstunde. Es könnte hier so herrlich sein, in der Ferne sieht man Bergrücken, die Bucht ist rundherum grün und üppig bewachsen.


Auf dem Rückweg zum Hotel holen wir uns noch ein paar Leckereien im Supermarkt für ein Picknick.


9.2.2003
Bei Erika im Hotel Waterfront zahlen wir plötzlich nicht mehr 25 USD sondern 475 RD§ pro Übernachtung und lernen auf diese Weise, dass uns die andere, die unsympathische Dame, täglich um 5 USD betrogen hat. Nettes Zubrot. Jetzt wird auch nachträglich klar, warum diese Dame so eifrig damit beschäftigt ist, Quittungen zu schreiben. Die Quittungen sind nicht numeriert, der Betrug wird buchhalterisch unsichtbar.


Wir nehmen einen Guagua nach Cabarete und der Himmel bewölkt sich immer mehr. Es wird dunkler und es regnet. Deshalb ist es im Norden so schön grün. Wir machen einen Regenspaziergang den Strand entlang. Unter den palmwedelgedeckten Sonnenschirmen eines All-inclusive-Hotels suchen wir Schutz vor Wind und Wetter. Es ist sehr wechselhaft. Als es wenige Minuten doch nicht zum befürchteten Weltuntergang kommt, sondern wieder aufklart, nehmen wir uns frech zwei Liegestühle und stellen sie ganz vorne an den Meeressaum. Schön. Meeresrauschen, reine Luft, und mit der Sonne kann es auch nur jeden Moment besser werden. Eigentlich will ich ein bißchen dösen, aber mit der Sonne kommen auch die Strandhändler zurück.


M. ist in lustiger Laune und fragt den Schmuckhändler, was die Halskette aus polierten Schneckenhäusern kosten soll. Der ist schlau und fragt zurück, was wir denn dafür zahlen würden. M. schlägt 80 RD$ vor. Daraufhin ist der Händler beleidigt und will 260 RD$. Nach kurzem Wortwechsel zieht er wütend von dannen.


Eine kurze Weile später kommt der nächste Schmuckhändler. Ein Junge, der uns mit kessen Sprüchen in deutsch ködert: billig, drei zum Preis von einer. Der Handel dauert eine Stunde. Währenddessen bastelt uns Cheapy-Willy nach Mass zwei Ketten und ein Armband. Er erhält dafür und viel mehr noch für die gute Unterhaltung 180 RD$. Die Argumente gehen hin und her. Willy erzählt er sei 17 Jahre alt und müsste Geld verdienen, damit er später Jura studieren könne.

Cheapy Willy zeigt fragend auf sein Handgelenk, aber auch er will nicht die Uhrzeit wissen, sondern unser all-inclusive-Hotel. So ein Bild gibt man hier als Tourist. Als wir Willy erzählen, dass wir herumreisen und momentan aus Sosua kommen, will er uns zuerst nicht glauben und findet uns dann zum kichern. Willy erzählt uns auch den Witz über die französischen Touristen, auf deren Liegestühle wir illegalerweise herumsitzen. Eine Geschichte über einen großen Bauch und so eine kleine cosita darunter. Haha. Bei nächster Gelegenheit wird er diese Geschichte einem französischen Touristen erzählen, nur gehört dann der große Bauch einem Deutschen.


Gegen Abend fahren wir mit dem Guagua für 10 RD$ nach Sosua zurück. Inzwischen haben wir gelernt, dass man nicht nach dem Preis fragen darf, sondern einen kleinen Betrag hinhalten muss. Ist es wirklich zu wenig, wird man sich schon beschweren. Aber meist sind die Empfänger zufrieden, ohne das Gefühl zu bekommen, diesen neuen Touristen müsste man Fantasiepreise aus der Tasche ziehen. Wir steigen in Charamicos, dem gewachsenen Viertel von Sosua aus und essen auf der Straße: Pollo und chuleta, Yuca und Papas. Für den hier seltenen Besuch von uns Touristen werden sogar die Monoblocksessel frisch abgewaschen. Es schmeckt sehr gut, auch der wartende Hund genießt die Knochen, aber diesesmal sind sich der alte Koch und der jüngere nicht ganz grün, welchen Preis sie von uns fordern sollen. Der Alte sagt 35 RD$, der Junge 40 RD$ und schon zahlen wir die Summe von 75 RD$, damit beide ihr Gesicht wahren können - auf unsere Kosten.


In der Dunkelheit gehen wir am Strand entlang zurück nach El Batey, dem touristisch erschlossenen Stadtviertel. Die Sterne glitzern mit den Lichtern von Puerto Plata am Horizont um die Wette und einige Liebespaare nutzen den Schutz der Dunkelheit und der warmen Wellen.


10.2.2003
1 USD = 23,60 RD$

Heute frühstücken wir in Rocky's Place amerikanisch. Dort treffen wir Walter, mit dem M. schon bei der letzten Reise Bekanntschaft geschlossen hatte. Die beiden unterhalten sich lange. Mit dem Guagua fahren wir anschließend wieder nach Puerto Plata.


Dort angekommen ist der Himmel so schwarz und bedrohlich, dass wir doch zuerst Nelly einen Besuch abstatten. Kurz nach dem ersten Orangensaft schüttet es bereits. Also bleiben wir auf ein Zür'cher Geschnetzeltes und einen Plausch.


Für die Residenten sind die Hauptthemen die Stromversorgung und der Mentalitätsunterschied zur einheimischen Bevölkerung. Deren Hauptaugenmerk sei es, aus jedem Augenblick das meiste herauszuholen. An das Morgen denke niemand und Übermorgen sei so weit weg, dass es wieder unvorstellbar sei.


Das Wetter beruhigt sich wieder und wir gehen Richtung Playa Long Beach. Auch das Obst einkaufen haben wir inzwischen gelernt. Ich verlange naranjas bei der Händlerin, und während sie die Orangen aus dem Schubkarren greift und schält und halbiert, spiele ich betont unauffällig mit einer 5-Peso-Münze. Während die Dame das Obst mundfertig bereitet, wirft sie betont unauffällig einen Blick auf das Geld in meiner Hand und der Handel klappt.


Wir finden ein schönes Plätzchen am Strand. Nur die Politur, die Touristenpolizei ist lästig, mit Sandmobilen knattert sie den Strand auf und ab. Gegen Abend kommen vier Halbwüchsige auf einem bemitleidenswerten Schimmel angeritten, springen ab und umlungern uns. Der größte Junge bietet uns den Klepper zu mieten an. In Brasilien hätte ich schon längst Angst in einer solchen Situation, hier habe ich auch ein mulmiges Gefühl. M. fragt einfach: "Warum?" Und erhält die Antwort: "Weil wir Hunger haben." Da ist guter Rat teuer. M. gibt den Jungen einfach die Reste von unserem Baguette-Brot und die halbvolle Wasserflasche. Die Jungens ziehen zufrieden ab, immer abwechselnd einen Bissen und einen Schluck dieser exotischen Nahrungsmittel zu sich nehmend.


Auch das ist die Nebenerscheinung des Tourismus. Immer aggressiveres Betteln und irgendwann dann Kriminalität. Vorhandene Sozialstrukturen werden aus falsch verstandenem Mitleid oder purer Dummheit zerstört.


Der Tag ist immer noch herrlich warm, etwas bewölkt und man könnte eigentlich immer in diesem flachen Meer sitzen bleiben. Natürlich müssen wir am Abend zurück nach Sosua. Dort gehen wir noch in das Internet Cafe und zum Essen zu Don Amelio an der Klippe. Mit Bier, pechuga de pollo, pincho de cerdo, papas und tostadas beschließen wir diesen Tag.


11.02.2003
Heute stehen wir nach einer gestörten Nachtruhe sehr spät auf. Unsere neue amerikanische Nachbarin hat eine kleine Party auf dem Balkon gefeiert und jeder Kronkorken, der am Geländer geöffnet wurde, lies Geländer und Wände nachklingen. Die nächtlichen Beschwerde wurde eher als Belästigung aufgefasst.


Wir beschließen, noch einmal bei Rocky's zu frühstücken, weil er so einen schönen Obstteller im Angebot hat. Nach dem Frühsück gehen wir zum Strand von Sosua. Heute ist ein heißer Tag, die ideale Beschäftigung ist also baden. Das Wasser ist angenehm. Unter den Bäumen kann man ein schönes schattiges Plätzchen finden und dort den Tag vertrödeln.


Das Drama des Tages erleben wir, als eine Eidechse einen jungen Gecko fängt und verspeist. Die Eidechsen leben hier auf den Wurzeln der Bäume. Sie huschen in den Sandmulden zwischen den Bäumen, den Liegestühlen und Badet&uuuml;chern umher, fressen Käfer und Ameisen und rangeln um Reviere, immer auf der Flucht vor den Füssen der Menschen und von diesen fast unbemerkt.


Abends essen wir im Restaurant La Gaviota das menu del dia und bestellen jugo de limon dazu. Eine Horde blonder junger bayrischer Armband-Touristen fällt ein. Eine der bayrischen Damen spricht englisch, die anderen bestellen hier auf deutsch. Das Personal spricht natürlich nur spanisch und ganz wenig englisch und hat seine Mühe, den exotischen Wünschen der Gäste nachzukommen. Ein junger Mann bestellt " Ice Tea. I-c-e T-i-i-e." Das Personal verzweifelt, kann sich hierunter jetzt wirklich nichts mehr vorstellen und bringt versuchsweise Jugo de Limon. Haha. Wir scheuen als echte Deutsche den Kontakt zu den Landsleuten und suchen das Weite. Der Hund vor dem Lokal freut sich über unsere Knochen und wir gehen zurück zum Hotel. Dort beschließen wir den Abend auf dem Balkon mit Malta India und Malta Morena. Die Vögel singen im Geäst der Bäume.


12.02.2003
Ein Gecko "mucho tigre" hat heute Nacht auf meinem zum trocknen aufgehängten Badetuch Spuren hinterlassen. Wir packen die Koffer, geben sie bei Erika in der Rezeption ab und gehen zum Frühstück ins Miami.


Danach gehen wir an den Strand von Sosua um dort unseren letzten Urlaubstag zu verbringen. Wir haben Badevergnügen bis drei Uhr, danach duschen wir am Strand für 5 Peso, nehmen noch schnell ein Mittagessen und gehen zurück zum Hotel Waterfront. In der Reception ziehen wir die ungewohnte Winterkleidung für die Reise an, verabschieden uns von Erika, der Netten, und fangen ein Taxi für unverschämte 70 RD$ zum Flughafen.


Beim Einchecken haben wir noch einmal Glück und erhalten die Notausgangplätze mit viel Beinfreiheit. Jedoch wird es sehr sehr kalt dort an den Türen, der Klapptisch ist defekt und fällt immer wieder herunter und die Kissen fehlen auch. Oh Condor oh mores. Ob das bei Thomas Cook besser wird? Mal sehen. Der Flug wird angenehm, mit viel Rückenwind und angeschnallt ob der wilden Turbulenzen brauchen wir nur 8 Stunden bis nach Frankfurt.


Und Schluss. Der Besuch in der Dominikanischen Republik hat uns sehr gut gefallen. Wir werden sicher einmal wiederkommen.


Todo a su tiempo








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