Zum Tier des Jahres 2001
wurde der Feldhase erklärt. Diese Berühmtheit ist eher eine traurige, denn sie weist
darauf hin, dass die jeweils genannte Art vom Aussterben bedroht ist.
Aus den Märchen und Sagen als "Meister Lampe" und vor allem als Osterhase ist uns der
Feldhase bekannt.
Doch leider endet hier das Wissen der meisten Menschen.
Besonders im Frühjahr zu ihrer Paarungszeit sind die Hasen häufiger in den Wiesen und Feldern
zu sehen. Sie balgen sich und achten bei ihren wilden Verfolgungsjagden kaum noch auf ihre Umgebung.
Als Dämmerungstier
ist der Hase sonst kaum tagsüber anzutreffen.
Der Feldhase ist ursprünglich ein Steppentier. Er wanderte im Mittelalter, als zunehmend Wälder
gerodet und unter den Pflug genommen wurden als Kulturfolger in diese neu entstandenen "Steppen" auch
in das Gebiet unseres
heutigen Deutschlands ein.
Aufgrund der ähnlichen äußeren Erscheinung wird der Feldhase oft mit Kaninchen verwechselt.
Dabei haben diese Tiere zu den deutlichen äußeren Unterschieden auch gravierend unterschiedliche Lebensweisen.
Im Gegensatz zu Kaninchen kann der Hase nicht in Gefangenschaft gehalten oder gezüchtet werden.
Selbst die Aufzucht von verlassenen Jungtieren
ist ein Abenteuer. Da die Hasenjungen - ähnlich wie Rehkitze - tagsüber in einem Versteck alleingelassen werden,
kann man in der Regel davon ausgehen, dass die Häsin in der Nähe ist und sollte deshalb vermeintlich verlassene
junge Wildtiere nicht berühren. Wenn die Jungen erst einmal "nach Mensch" riechen, werden sie meist
von der Mutter aus
Angst vor dem Menschen verlassen.
Der Hase ist an seinen langen Ohren
("Löffel" sagen die Jäger) mit
schwarz umrandeten Spitzen und seinen großen bernsteinfarbenen Augen zu erkennen.
Anders als Kaninchen bilden die Feldhasen keine Kolonien und graben sich keinen Bau.
Feldhasen verstecken sich tagsüber in Erdmulden, sogenannten Sassen, und werden erst bei
Dämmerung aktiv. Die Häsin kann 3 bis 4 mal im Jahr 1 bis 3 Junge gebären ("setzen" sagen die Jäger).
Im Gegensatz zu Kaninchen haben die Junghasen bei ihrer Geburt offene Augen und einen Pelz. Auch haben sie weder Nest
noch Bau, sondern werden ebenfalls in einer oberirdischen Erdmulde versteckt.
(Wer kennt noch das Lied: "Häschen in
der Grube saß ...") Die Jungen bleiben dort tagsüber alleine, sie ducken sich in die Sasse und können von
Raubtieren kaum gewittert werden. In der Nacht kommt die Häsin und säugt die Jungen.
Nach etwa vier Wochen sind sie selbständig.
Man versteht jetzt, dass viele Junghasen sterben. Wenn das beginnende Frühjahr nass und/oder kalt wird,
erfrieren die zuerst geborenen Hasenjungen oft, denn sie sind in den Sassen der Witterung ungeschützt ausgesetzt. Werden
die Jungen in einem von moderner Landwirtschaft genutzten Gelände geboren, können sie den Landmaschinen zum
Opfer fallen, denn bei Gefahr können sie anfangs noch nicht davon laufen, sondern sie ducken sich nur tiefer in die vermeintlich
schützende Mulde.
Sind die Hasen erst herangewachsen, können sie bei Gefahr fast blitzartig aus ihrer Sasse auffahren und im
Zickzacklauf, hakenschlagend, mit sehr hoher Geschwindigkeit flüchten.
Einige Quellen sprechen von bis zu 80 kmH
Die Nahrung der Hasen erstreckt sich über viele verschiedene "Unkräuter" und Heilkräuter,
Gräser, Getreide, Feldfrüchte, im Winter auch Baumrinden. Man spricht auch von der Hasenapotheke, da die Hasen
zur Gesunderhaltung diese abwechslungsreiche Kräuternahrung benötigen. In den modernen Kulturlandschaften und
durch die moderne Landwirtschaft mit ihrer Monokultur, werden die Lebensräume seltener, die dem Hasen Schutz und
abwechslungsreiche Nahrung bieten könnten.
Leider stehen Hasen im Ruf, Ernteschädlinge zu sein. Aus meiner eigenen Erfahrung mit Feldhasen im
Gemüsegarten kann ich berichten, dass ich außer meinen Gartennelken und den "Unkräutern",
die es bei mir immer
reichlich gibt, keine Verluste an Hasen hatte. Vermutlich wären Kaninchen im Garten weniger wählerisch und
hätten
sich das Gemüse schmecken lassen.
Zusammenfassend kann mal als Ursachen für den Rückgang der Hasenpopulationen vermuten,
dass die Veränderung zur modernen Landwirtschaft mit Einsatz von Maschinen und Pflanzenschutzmitteln, welche einen
Artenrückgang der Futterpflanzen und eine Gefährdung der Jungtiere mit sich zieht, eine große Rolle spielt. Weiter
sind die Einengung der Lebensräume durch die zunehmende Landschaftszersiedelung und die Gefährdung durch
Straßenverkehr zu nennen. Auch nehmen Beutegreiferpopulationen, wie Fuchs und Bussard wieder zu.
Der Spaziergänger und Naturfreund kann schon viel für die Junghasen tun, indem er besonders
im Frühjahr auf den Wegen bleibt. Viele Junghasen wurden schon von freilaufenden Hunden oder auch Katzen getötet.
Auch wer mit Pferd oder auch Mountainbike und anderen Fahrzeugen querfeldein unterwegs ist, kann Junghasen sowie auch
bodenbrütende Vögel gefährden.
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